Webcam: on oder off?

Viel wichtiger als Videobild: Ihre Stimme

In der Live-Online-Lehre ist Ihre Stimme Ihr wichtigstes Medium. Sorgen Sie daher für eine bestmögliche Audio-Qualität, in dem Sie ein externes Mikrofon oder Headset verwenden (z.B. Sennheiser PC 8.2). Dies ist auch im Hinblick auf Teilnehmer mit Gehör-Einschränkungen wichtig. Leiten Sie die Teilnehmer an, wie diese die Lautstärke an ihrem Ausgabegerät regulieren können. Mündliche Ausführungen bzw. Lehrvorträge sind lebendiger, wenn die Intonation angemessen variiert wird. Nehmen Sie zudem eine aufrechte Körperhaltung während der Live-Session ein, da sich dies ebenfalls positiv auf Ihre Atmung und die Qualität des Stimmeinsatzes auswirkt. Auch an Mimik und Gestik muss nicht gespart werden, da diese – selbst bei ausgeschalteter Webcam – spürbar über die Stimme transportiert werden können.

Auch auf Seite der Teilnehmer ist eine gute Audio-Verbindung essenziell für die mündliche Beteiligung im Plenum und in Arbeitsgruppen. Daher profitieren Teilnehmer ebenfalls von der Verwendung eines Headsets und einer technischen Einführung in die Audioübertragung.

Webcams an? Ja, gerne.

Um auch im virtuellen Seminarraum den zwischenmenschlichen Kontakt und das Erleben von sozialer Präsenz zu fördern, ist der Einsatz von Webcam – sowohl auf Seite der Lehrperson als auch auf Seite der Teilnehmer – wünschenswert. Darüber hinaus berichten Studierende, dass es ihre eigene Aufmerksamkeit fördert, wenn sie sich dessen bewusst sind, dass ihr Webcam-Bild permanent übertragen wird. Die Übertragung von Mimik und Gestik kann außerdem für das schnelle Einholen von Reaktionen und für Abstimmungen genutzt werden.

3 Tipps für eine gute Wirkung vor der Webcam, die Online-Moderatoren anwenden und ggf. an Studierende weitergeben können:

  • Ausreichend natürliches oder künstliches Licht von vorne (Gegenlicht, z.B. durch Fenster im Rücken, stellt das eigene Gesicht in den Schatten)
  • Webcam auf Augenhöhe positionieren (z.B. Notebook auf Laptopständer oder Bücherstapel stellen), um Blick „von oben herab“ zu vermeiden
  • Möglichst neutraler Hintergrund, z.B. einfarbige Wand (jedoch keine Gemälde mit Ablenkungspotenzial oder Pflanzen, die vor der Kamera wirken, als würden Sie „einem aus dem Kopf wachsen“)
Schnelle Abstimmungen über die Webcams der Teilnehmer durchführen

Mit virtuellen Hintergründen können v.a. in großen Gruppen Merkmale des Publikums erhoben und für die weitere Verarbeitung genutzt werden. Allerdings erfordert die Funktion des virtuellen Hintergrunds eine den aktuellen Standards entsprechende Webcam, so dass diese Funktion nicht bei allen Teilnehmenden vorausgesetzt werden kann.

Warum Webcams dennoch oft aus bleiben und wie man damit umgehen kann

Während Lehrpersonen ihr Webcambild i.d.R. durchgängig übertragen, gelingt die Webcam-Nutzung durch die Teilnehmer aus verschiedenen Gründen nicht immer (vollständig). Nicht alle Teilnehmer haben eine Webcam und manchmal reicht die Bandbreite nicht aus. Zudem ist die Bereitschaft zur Webcam-Nutzung nicht bei jeder Zielgruppe gleich hoch: Wunsch nach Privatheit, Angst vor direkter Ansprache und peinlichen Momenten, das Ausüben von Nebentätigkeiten sowie das Fehlen eines erkennbaren Nutzens sind Gründe, mit denen sich Studierende gegen die Webcam-Nutzung entscheiden. Die individuell unterschiedliche Handhabung der Teilnehmer führt aufgrund der Wirkung des Gruppenzwangs im Ergebnis meist zu einer vollständig „schwarzen Wand“, wobei hier relativierend anzumerken ist, dass dieses Phänomen besonders stark durch das Webkonferenzsystem „Zoom Video Communications“ begünstigt wird.

Eine Möglichkeit, diese Situation, die von Lehrenden meist als unangenehm und demotivierend empfunden wird, zu entschärfen, ist es, die Handhabung der Webcam durch die Studierenden nicht dem Zufall zu überlassen, sondern zu Semesterbeginn zu thematisieren und eine Meeting-Etikette mit dem Kurs zu vereinbaren. Im Rahmen dessen können Studierende auf die Option virtueller Hintergründe hingewiesen werden. Eine didaktisch sinnvolle Möglichkeit ist, die Webcams phasenweise zu nutzen, z.B. zu Beginn und zum Ende einer Online-Lehrveranstaltung oder bei Gruppenarbeiten, wenn Studierende in kleineren Kreisen unter sich sind oder ihre Ergebnisse im Plenum präsentieren.

Mehr Einblick in erarbeitete Lösungsansätze und deren Diskussion gibt es in diesem HFD (Hochschulforum Digitalisierung) Blog-Beitrag

Letztendlich existiert für dieses „Problem“ keine einfache Lösung. Gleichzeitig sollte Webcam-Nutzung nicht überbewertet werden, denn effektive Kommunikation und Interaktion mit den Teilnehmern erfordert i.d.R. keine Videobildübertragung. Eine Vielzahl aktivierender Methoden kann ohne Webcams umgesetzt und die „Anwesenheit“ der Teilnehmer über zahlreiche andere Kanäle (Status-Icons, Audio, Chat, Umfragen, Zeichen- und Wortbeiträge, etc.) wahrgenommen werden.

Zudem gehen mit permanenter Videoübertragung – neben technischen Herausforderungen – auch psychologische Belastungsfaktoren einher, da die Art der wechselseitigen Wahrnehmung in Videokonferenzen nicht der natürlichen Kommunikationssituation in realen Räumen entspricht (Mehr Hintergrundinformationen finden Sie hier).