Vor- und Nachbereitung

Lernziele definieren

Wie in der Präsenz beginnen Sie auch die Live-Online-Lehre mit der Formulierung von Lehr-/Lernzielen. Das synchrone Online-Format ist dabei keineswegs auf die Taxonomiestufe „Wissen“ (nach Bloom) beschränkt. Durch den Einsatz von Übungsaufgaben, Fallstudien, Transferfragen usw. können Sie Studierende zu höheren kognitiven Denkleistungen anregen. Stimmen Sie im Sinne des „Constructive Alignment“ Lernziele, Lehrmethoden und Prüfungsform aufeinander ab.

Zeit und Stoffmenge planen

Lehrende berichten, dass sie für die Durchführung der Live-Online-Lehre etwa 10-25% mehr Zeit benötigen, als für Präsenzveranstaltungen. Während den Studierenden in einer Präsenzveranstaltung nicht erklärt werden muss, wie diese den Seminarraum betreten oder sich zu Wort melden, muss in der Live-Online-Lehre die technik-gestützte Kommunikation und Interaktion zunächst eingeführt und häufiger Rückmeldungen eingeholt werden. Diese Zeit geht auf Kosten der Inhalte, ist jedoch eine Investition in die Förderung der digitalen Kompetenzen der Studierenden. Zudem benötigen auch Lehrpersonen beim Einstieg in das ungewohnte Format zunächst etwas Einarbeitungszeit, bis die Nutzung der Werkzeuge Routine geworden ist. Mit zunehmender Übung geht die Live-Online-Lehre schneller. An bestimmten Stellen, z.B. beim Durchführen von digitalen Quizzes, beim Erheben von Meinungsbildern über die Ja-/Nein-Status-Icons oder beim Sammeln von Beiträgen über das Whiteboard ist das virtuelle Klassenzimmer sogar zeitsparender als das Präsenzformat.

Setting vorbereiten und Teilnehmer einladen

Für das Durchführen von Lehre im virtuellen Klassenzimmer ist ein virtueller Meetingraum erforderlich, der bei vielen Webkonferenzsystemen über einen Zugangslink aufgerufen werden kann. Tipp: Verwenden Sie in jedem Modul/jeder Studierendengruppe über das ganze Semester denselben Meetingraum bzw. Zugangslink, um Orientierungsprobleme beim Zugang zu minimieren.

Es ist sinnvoll, dass sich alle Meetingteilnehmer auf eine gewisse Online-Etikette (wie z.B. angemessene Kleidung, nicht essen) verständigen. Bitten Sie die Studierenden vorab, unter Angabe ihres realen Vor- und Nachnamens in den virtuellen Meetingraum einzutreten, damit Sie die Teilnehmer und diese sich untereinander vernünftig ansprechen können.

Darüber hinaus sollten Sie den Studierenden vor der ersten Online-Lehrveranstaltung die technischen Voraussetzungen (Installation benötigter Software, Qualität der Internetverbindung, Verwendung eines Headsets, Webcam, etc.) kommunizieren und ggf. Technik-Checks anbieten. Auch Sie als Lehrperson sollten diese Voraussetzungen schaffen und für eine ungestörte Arbeitsumgebung für Ihre Live-Online-Lehrveranstaltungen sorgen. Die Nutzung eines Headsets ist sehr zu empfehlen, damit Geräusche in der Umgebung des Moderators, wie z.B. das Tippen auf der Tastatur, herausgefiltert werden. Zudem ist die Verwendung eines zweiten Bildschirms für Moderatoren hilfreich.

Nähe und Vertrauen aufbauen

Der Aufbau von zwischenmenschlicher Nähe und Vertrauen wird unterstützt, wenn sich die Lehrperson zu Beginn der Online-Lehrveranstaltung persönlich (mit Webcam) vorstellt und auch den Teilnehmern Sprechgelegenheiten einräumt. Angeleitete mündliche Kennenlernrunden oder Vorstellen in Murmelgruppen fördern den Beziehungsaufbau und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Teilnehmer auch im weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung zu Wort melden.

Humorvolle Beiträge, persönliche Anekdoten der Lehrperson (Storytelling) und das Herstellen von Bezügen von Lerninhalten zur Lebenswelt der Studierenden fördern das soziale Miteinander und den kommunikativen Austausch im virtuellen Raum. Dabei gerne die Präsentation bzw. Bildschirmfreigabe unterbrechen, um die Videobildübertragung in den Vordergrund zu rücken.

Feedback einholen

Um nicht bis zur formalen Lehrevaluation warten zu müssen, können Lehrende am Ende der ersten oder zweiten Live-Online-Lehrveranstaltung ein Zwischenfeedback von den Studierenden einholen. Über das Umfragetool können anonyme Antworten zu Single- oder Multiple-Choice-Fragen erhoben werden. Qualitative Rückmeldungen können in Form eines anonymen Brainwritings erhoben werden: die Lehrperson verwendet ein Whiteboard oder eine vorbereitete Folie, die beispielsweise in zwei Spalten (das gefiel mir gut / das könnte verbessert werden) vorstrukturiert ist, die Teilnehmer platzieren Ihre Beiträge mit den Schreibwerkzeugen. Nicht-anonyme Rückmeldungen können über den Text-Chat gesammelt werden.

Lernergebnisse dokumentieren

Um eine Nachbereitung zu ermöglichen, sollten die Inhalte und Lernergebnisse, die im virtuellen Klassenzimmer präsentiert und/oder gemeinsam erarbeitet wurden, den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden (wie in Präsenzveranstaltungen auch). Dies muss nicht zwangsläufig eine Video-Aufzeichnung der Live-Online-Lehrveranstaltung bedeuten. Die Lehrperson kann präsentierte Materialien (z.B. Foliensätze, Links zu geteilten Websites und Videos, etc.) im Anschluss an die Veranstaltung als PDF auf die Lernplattform hochladen. Auch gemeinsam erarbeitete Inhalte (Whiteboard-/Folienanschriebe, Ergebnisse aus Gruppenarbeiten etc.) können und sollten exportiert und den Teilnehmern bereitgestellt werden.